Der 1. Weltkrieg

1914 bis 1918

 

Der 1. Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Der Konflikt sollte eigentlich nur kurz dauern, wuchs sich jedoch zum Weltkrieg aus und sollte erst mehr als vier Jahre später, am 11. November 1918, mit dem Waffenstillstand von Compiègne sein Ende finden. Der 1. Weltkrieg forderte unfassbare 17 Millionen Menschenleben – 10 Millionen Soldaten und 7 Millionen Zivilisten. Er hatte bekanntlich langfristige Auswirkungen bzw. bildete den Nährboden für den 2. Weltkrieg.

 

Soldaten und Standschützen aus Haiming im 1. Weltkrieg

 

Bereits im ersten Kriegsjahr 1914 rückten aus Haiming rund 149 „Vaterlandsverteidiger“ als Mitglieder der kaiserlichen Armee in den Krieg ein. Den ersten Toten gab es mit Chrysanth Schöpf schon im November 1914 zu beklagen.

 

Die Haiminger Standschützen – Unterstützung für die kaiserliche Armee

 

Im Mai 1915 erklärte auch das Nachbarland Italien Österreich-Ungarn den Krieg. Dadurch geriet die süd- liche Grenze Tirols in Gefahr. Die „regulären“ kaiserlichen Soldaten waren nämlich zum Großteil im Osten an der Front. Deshalb forderte das Militär die Unterstützung der Standschützen ein. Die Tiroler Standschützen haben ihre Wurzeln im Landlibell von Kaiser Maximilian (1511). Sie waren Mitglieder von Schützengilden und -kompa- nien und kamen auch schon vor dem 1. Weltkrieg bei diversen Kriegshandlungen zum Einsatz. In Friedenszeiten waren sie verpflichtet, an regelmäßigen Schießübungen teilzunehmen. Innerhalb weniger Tage standen die Standschützen Gewehr bei Fuß, die meisten von ihnen ohne militärische Ausbildung, ohne Uniform oder geeignete Bewaffnung. Durch ihre Erfahrung im alpinen Gelände konnten sie einiges davon wettmachen.

 

In Haiming rief der Standschützenoffizier Leutnant Johann Nagele („Honseles“) am 18. Mai 1915 seine Leute nach Magerbach und fertigte eine Standesliste mit 35 Männern an (gemustert wurden dann tatsächlich 42 Mann). Nagele war 1864 geboren und zugleich der Älteste auf der Liste. Die Jüngsten waren Johann Kopp, Franz Zoller und Heinrich Heiß (Jahrgang 1895). Binnen von nur drei Tagen hatte Tirol 45 Bataillone mit über 38.000 Mann mobilisiert und an die Grenze zu Italien geschickt. Die Haiminger waren Teil des Standschützen-Bataillons Silz und kämpften an der Südfront (Corvara, Kreuzberg, Rauchkofel). Weitere Einsatzgebiete des Bataillons Silz: Abschnitt Tonale, Abschnitt Etschtal-Rovereto, Abschnitt Pustertal. Die Strapazen in den zum Teil hochalpinen Stellungen waren kaum vorstellbar: mangelnde Ausrüstung und Verpflegung, Kälte, Lawinen, Krankheiten, psychische Belastung etc. Viele gerieten nach dem Krieg – sofern sie ihn überlebten – in italienische Gefangenschaft.

 

Gefallene aus Haiming

 

Auf dem Kriegerdenkmal sind die Namen von 47 Gefallenen aus Haiming verzeichnet, in den Ehrenbüchern des Landes Tirol finden sich 51 Namen. Die Gefallenen waren zumeist junge Haiminger Männer (zwischen 1874 und 1899 geboren), die zum Großteil Bauern oder Bauernsöhne waren, einige von ihnen gingen einem Handwerk nach (z. B. Steinmetz, Schneider oder Fassbinder).

Liste der Gefallenen aus Haiming, 1. Weltkrieg (pdf)

 

Österreich will zu Deutschland

 

Nach dem 1. Weltkrieg rief die provisorische Nationalversammlung Deutschösterreichs am 12. November 1918 die Republik aus und proklamierte deren Anschluss an Deutschland. Die Vereinigung mit Deutschland sollte die wirtschaftlichen, politischen und nationalen Startschwierigkeiten der stark geschrumpften „Republik Deutsch- österreich“ abmildern. Mit den Friedensverträgen von Saint-Germain (für Österreich) sowie von Versailles (für Deutschland) wurden diese Anschlussbestrebungen aber unterbunden. Die österreichische Unabhängigkeit wurde als „unabänderlich“ festgelegt und der Name „Deutschösterreich“ musste in „Republik Österreich“ geändert werden. Das ausdrückliche Anschlussverbot konnte den verbreiteten Anschlussgedanken nicht gänzlich beseitigen, wie die Volksabstimmung von 1921 belegt.

 

In Tirol wurde am 24. April 1921 über den Anschluss Tirols an das Deutsche Reich abgestimmt. Mehr als 98 Prozent der Abstimmenden stimmten für den Anschluss! In Haiming (mit Ochsengarten und Silzerberg/Haimingerberg) gab es 550 Ja und nur eine Nein-Stimme!

 

Abstimmungsergebnis Haiming 1921 (pdf)

 

Die Abstimmung hatte jedoch keinen Einfluss auf die Politik der Siegerstaaten. So wurde die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich erst 1938 (traurige) Wirklichkeit.

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